Onlinedating produziert öde Pärchen

Der größte Trend im Onlinedating sind derzeit die Dating Apps. Dabei suchen Singles über ihr Smartphone nach der großen Liebe. Der Ablauf ist dabei jedoch ein anderer als im realen Leben. Mit einem Wisch entscheidet der Nutzer dabei, ob das angezeigt Bild im zusagt oder nicht. Dieser von manchen als sehr oberflächlich eingestufte Ablauf wird immer populärer und ersetzt mehr und mehr das normale kennenlernen.

Dieses sogenannte normale Kennenlernen hat zeitlich eine ganz andere Dynamik, was heißt diese verläuft deutlich langsamer. Wie die Entscheidung getroffen wird, ob ein potentieller Partner als geeignet eingestuft wird, entscheidet allein die Optik. Das hat der kostenfreie Onlinedating Dienst OKCupid nun in einer Studie herausgefunden. Demnach würden sich nur etwa 10% aller User überhaupt für die Beschreibung auf einem Datingprofil interessieren.  Im Vordergrund steht ganz eindeutig das Aussehen.

Ein Portal aus den USA, das sich auf das Auswerten von Daten spezialisiert hat, hat daraus folgenden Schluss gezogen: Durch diesen Fokus auf das Äußere gäbe es immer mehr Pärchen, die etwa gleich attraktiv sind. Zu kurz käme dabei zunehmend die Übereinstimmung was die inneren Werte anbelangt.

Der Faktor Zeit

Eine Uni in Texas hat in diesem Zusammenhang herausgefunden, dass sich Gegensätze nicht immer anziehen. Demnach würden sich Singles unbewusst mit anderen Singles zusammentun, mit denen irgendeine Übereinstimmung herrscht, sofern man sich untereinander nicht kennt. Das heißt Faktoren wie die Hautfarbe, Bildungsstand, sozialer Stand und ähnliches spielen dabei eine Rolle.

Diese Faktoren verlieren allerdings zunehmend an Bedeutung, je länger sich 2 Menschen kennen. Dies haben die Forscher aus Texas in einer Langzeitstudie herausgefunden. Die Elemente, die dabei untersucht werden bestehen im Wesentlichen aus der unterschiedlich langen Dauer, die sich die Paare jeweils kennen. Probanten, die die Paare nicht kennen, bewerteten dabei, wie attraktiv diese Partner im Einzelnen sind.

wie sich paare kennenlernen
Foto: Infografik Die Welt

Die Auswertung spricht dabei eine klare Sprache: Die Pärchen, die sich vor einem romantischen Date kaum kannten (wie es beim Onlinedating die Regel ist), wurden im Großen und Ganzen als etwa gleich attraktiv eingestuft. Dem entgegen wurden Pärchen, die sich vor ihrer Beziehung bereits länger kannten, weil diese beispielsweise bereits befreundet waren, als ganz klar unterschiedlich attraktiv eingestuft.

Darauf aufbauend wurde an der Uni im texanischen Austin vor dem Beginn eines Semesters eine Umfrage unter den Studenten durchgeführt, wie attraktiv sie ihre Mitstudenten fanden. Dabei gab es klare Gewinner, die von der Mehrheit der Kommilitonen als „heiß“ eingestuft wurden.

Interessant ist der erneute Durchlauf, der 3 Monate später nochmals durchgeführt wurde. Nun waren die Ergebnisse ganz anders. Die reine Optik spielt nun keine so große Rolle mehr. Es standen mehr die inneren Werte im Mittelpunkt, da die Studenten nun einen gewissen Zeitraum bereits miteinander verbracht hatten.

Kritiker der Onlinepartnersuche beanstanden nun, dass es eben diesen Zeitraum, den der Mensch benötigt, um einen anderen Menschen besser kennenzulernen, beim Onlinedating nicht gebe. Das Blinddate, wie es dabei üblich ist, besticht dadurch, dass sich Mann und Frau zuvor noch nie im echten Leben getroffen haben. Dies führe dazu, dass die Entscheidungen bei der Partnerwahl nun deutlich zugunsten der Äußeren Werte ausfallen würden.

Tinder

Die Datingapp Tinder unterstützt dieses Phänomen sogar noch, indem ein interner Algorithmus feststellt, wie begehrt ein einzelner User ist und sich dies dann auf die angezeigten Partnervorschläge auswirkt, wie der Chef von Tinder kürzlich gegenüber des amerikanischen Magazins Fast Company erklärte. Dies führt mehr oder weniger dazu, dass sich das Interesse bei einigen wenigen hochattraktiven Nutzern bündelt, während der Rest in die sprichwörtliche Röhre kuckt.

Die Frage, die sich dabei nun stellt ist, ob dieses Verhalten bei der Partnerwahl erst durch das Onlinedating entstanden ist, oder ob dies ohnehin in der Natur des Menschen liegt. Was denkt ihr darüber? Führen Datingapps dazu, dass die Menschen nur noch auf das Äußere achten oder entscheidet das jeder Mensch noch selbst für sich?

Bildquelle: Infografik Die Welt